Warum hat Bitcoin einen Wert?
Bitcoin hat einen Wert, weil Menschen seine Eigenschaften schätzen und bereit sind, dafür Geld zu bezahlen. Doch weshalb entsteht diese Nachfrage? Um das einzuordnen, lohnt sich ein Blick darauf, was Geld grundsätzlich wertvoll macht.
Das Wichtigste in Kürze 💡
- Um den Wert von Bitcoin zu verstehen, hilft der Blick auf Geld: Menschen schätzen es, weil sie damit bezahlen, Preise vergleichen und Kaufkraft für später aufbewahren können.
- Geld hat im Laufe der Geschichte verschiedene Formen angenommen. Für seine Verwendung zählen unter anderem Knappheit, Haltbarkeit, Teilbarkeit, Transportierbarkeit, Austauschbarkeit und möglichst breite Akzeptanz.
- Bitcoin verbindet eine auf 21 Millionen Einheiten begrenzte Menge mit Selbstverwahrung und weltweiter Übertragbarkeit. Bei Akzeptanz und Preisstabilität haben etablierte Alltagswährungen bisher Vorteile.
- Im heutigen Geldsystem entsteht neues Geld unter anderem durch Bankkredite. Wer Ersparnisse langfristig aufbewahrt, muss neben dem Kontostand auch Zinsen und Kaufkraft betrachten.
- Der Bitcoin-Preis entsteht durch Angebot und Nachfrage. Er hängt davon ab, welche Beträge Käufer bezahlen und zu welchen Preisen Besitzer verkaufen möchten.
- Menschen investieren in Bitcoin, weil sie auf steigende Kurse setzen oder langfristig Kaufkraft bewahren möchten. Die feste Obergrenze garantiert jedoch weder einen steigenden Kurs noch den Erhalt der Kaufkraft.
Inhaltsverzeichnis
Warum hat Geld überhaupt einen Wert?
Um den Wert von Bitcoin zu verstehen, hilft es, zuerst den Wert von Geld allgemein anzuschauen. Bitcoin soll schliesslich Aufgaben übernehmen, für die wir heute vor allem den Franken oder den Euro nutzen.
Geld hat einen Wert, weil du es gegen Dinge eintauschen kannst.
Der Materialwert spielt dabei oft nur eine untergeordnete Rolle. Eine Banknote ist nicht deshalb wertvoll, weil ihre Herstellung besonders teuer ist.
Die Herstellkosten für eine Schweizer Banknote belaufen sich im Durchschnitt auf rund 40 Rappen.
Stell dir vor, du hilfst einem Bekannten beim Umzug und erhältst dafür CHF 100. Mit dieser Note kannst du später Lebensmittel kaufen, eine Zugfahrt bezahlen oder einen Teil deiner nächsten Rechnung begleichen. Du akzeptierst sie, weil du darauf vertraust, dass andere sie ebenfalls annehmen.
Geld macht deine heutige Arbeit für später nutzbar.
Dabei übernimmt es drei Aufgaben: Du kannst damit bezahlen, Preise vergleichen und einen Teil deiner Kaufkraft aufbewahren. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) spricht von einem Tauschmittel, einer Recheneinheit und einem Wertaufbewahrungsmittel. Diese drei Funktionen gelten unabhängig davon, ob du Münzen, Banknoten oder ein digitales Guthaben verwendest.
Beim Franken tragen seine breite Akzeptanz, die rechtliche Stellung und das Vertrauen in die Schweizer Institutionen zu diesem Nutzen bei. Die Nationalbank soll für stabile Preise sorgen, damit du mit deinem Geld auch morgen noch ungefähr gleich viel kaufen kannst.
Dass wir heute mit Banknoten und Kontoguthaben bezahlen, ist jedoch das Ergebnis einer langen Entwicklung. Geld sah nicht immer so aus wie heute.
Ein Blick in die Geldgeschichte
In unterschiedlichen Gesellschaften wurden ganz verschiedene Dinge als Geld verwendet: etwa Vieh, Muscheln oder Getreide. Solche Güter hatten oft bereits einen eigenen Nutzen.
Man spricht dabei von Warengeld.
Ein allgemein akzeptiertes Tauschmittel erleichtert den Handel. Wenn du beispielsweise Schuhe herstellst und Brot kaufen möchtest, muss der Bäcker nicht gerade ein neues Paar Schuhe benötigen. Er kann ein Zahlungsmittel annehmen, das er später bei jemand anderem ausgibt.
Allerdings eignet sich nicht jedes Gut gleich gut dafür. Getreide kann verderben, Muscheln verlieren bei Massenvorkommen ihren Wert, und eine Kuh lässt sich schlecht für einen kleinen Einkauf aufteilen.
Gold und Silber boten günstigere Voraussetzungen. Die Metalle waren begehrt, langlebig und liessen sich abwiegen. Geprägte Münzen machten den Umgang einfacher: Statt bei jedem Handel nur auf das Gewicht und eine aufwendige Materialprüfung zu vertrauen, konnten sich Menschen an Prägung und bekannten Münztypen orientieren.
Später kam Papiergeld hinzu.
Herausgebende Banken versprachen, bestimmte Noten gegen eine bestimmte Menge Edelmetall einzutauschen. Das Papier selbst musste nicht besonders wertvoll sein. Entscheidend war das Vertrauen, dass der Herausgeber sein Versprechen erfüllen konnte. Gleichzeitig liess es sich wesentlich leichter transportieren als grosse Mengen Münzen.
Die Bindung an Edelmetalle blieb aber nicht bestehen. Im Laufe der Zeit liess das Vertrauen nach. Schliesslich beendeten die USA 1971 die Möglichkeit, Dollar zu einem festen Kurs gegen Gold einzutauschen. Damit fiel ein zentraler Pfeiler des damaligen internationalen Währungssystems weg.
Heute verwenden wir überwiegend Fiatgeld.
Es ist nicht gegen eine festgelegte Menge Gold einlösbar. Sein Nutzen beruht auf der Akzeptanz als Zahlungsmittel und dem Vertrauen in das Geldsystem. Ein grosser Teil davon existiert heute als digitales Bankguthaben. Digitales Geld gab es also lange vor Kryptowährungen.
Mit dem Start von Bitcoin kam ein neuer Ansatz hinzu: digitale Einheiten, deren Ausgabe gemeinsamen Regeln folgt und die sich ohne Vertrauenspartei übertragen lassen.

Diese Entwicklung verlief weder überall gleich noch verschwanden ältere Geldformen jeweils vollständig. Bargeld, Kontoguthaben und Gold existieren weiterhin nebeneinander.
Die Geldgeschichte zeigt vor allem eins: Geld kann seine Form verändern. Es passt sich an die Anforderungen der Menschen an.
Welche Eigenschaften machen gutes Geld aus?
Gutes Geld soll sich einfach verwenden lassen und Kaufkraft möglichst verlässlich in die Zukunft übertragen. Aus der Geldgeschichte lassen sich folgende Eigenschaften ableiten:
- Knappheit: Geld sollte nicht von jedem hergestellt werden können. Ein begrenztes und verlässliches Angebot hilft, seinen Wert zu bewahren.
- Haltbarkeit: Geld sollte über längere Zeit nutzbar bleiben. Was schnell verdirbt oder zerfällt, eignet sich schlecht zum Sparen.
- Teilbarkeit: Du solltest damit kleine und grosse Beträge bezahlen können. Ein Wert nützt wenig, wenn du davon keinen passenden Teil weitergeben kannst.
- Transportierbarkeit: Geld sollte sich einfach an andere Menschen senden oder übergeben lassen. Hohe Transportkosten erschweren seine Verwendung.
- Austauschbarkeit: Gleich grosse Geldeinheiten sollten gleichwertig und fungibel sein. Welche 20-Franken-Note du zum Bezahlen verwendest, sollte keine Rolle spielen.
- Akzeptanz: Andere Menschen müssen bereit sein, es anzunehmen. Je verbreiteter diese Bereitschaft ist, desto einfacher kannst du es verwenden.
Auch die Federal Reserve Bank of St. Louis nennt diese sechs Eigenschaften als wichtige Merkmale von Geld.
Ergänzend spielen Verifizierbarkeit, Historie und Preisstabilität eine Rolle. Wenn du die Echtheit erkennen kannst und über längere Zeit gute Erfahrungen mit einer Geldform sammelst, stärkt das dein Vertrauen. Eine stabile Kaufkraft erleichtert zudem die Planung künftiger Ausgaben.
Keine Geldform erfüllt jede Anforderung gleich gut. Ein Goldbarren ist beispielsweise langlebig, für einen kleinen Einkauf aber unpraktisch. Der Franken hat eine breite Akzeptanz, ist aber nicht besonders knapp.
Wie Bitcoin abschneidet, schauen wir uns weiter unten an.
Was macht Bitcoin wertvoll?
Bitcoin ist für viele Menschen wertvoll, weil er eine begrenzte Menge mit der Möglichkeit verbindet, Werte selbst zu verwahren und weltweit zu übertragen. Wie bei Geld allgemein spielen dabei Nutzen und Vertrauen zusammen. Schauen wir uns genauer an, worauf beides bei Bitcoin beruht.
Eine begrenzte und vorhersehbare Menge
Es wird maximal 21 Millionen Bitcoin geben. Neue Einheiten entstehen nach einem festgelegten Plan, und ihr Zuwachs nimmt mit der Zeit ab. Keine Zentralbank und kein Unternehmen kann nach Belieben zusätzliche Bitcoin schaffen.
Das unterscheidet Bitcoin von vielen gewöhnlichen Produkten.
Wird etwa ein bestimmtes Fahrrad beliebter, kann der Hersteller seine Produktion ausbauen. Bei Bitcoin lässt eine höhere Nachfrage die maximale Menge hingegen nicht wachsen.
Die Knappheit allein erklärt aber noch nicht den Wert von Bitcoin. Auch ein selbst gemalter Einkaufszettel kann einmalig sein. Interessant wird die begrenzte Menge erst zusammen mit Eigenschaften, die Menschen tatsächlich nutzen möchten.
Digitale Haltbarkeit und feine Teilbarkeit
Bitcoin verdirbt nicht und nutzt sich durch Zahlungen nicht ab. Eine digitale Einheit wird nicht schlechter, weil sie schon oft übertragen wurde. Solange das Netzwerk funktioniert und du deinen Zugang sicherst, bleibt dein Bestand nutzbar.
Du musst dabei auch kein bestimmtes Gerät über Jahrzehnte behalten. Eine Wallet kann ersetzt und der Zugang mit einer geeigneten Sicherung wiederhergestellt werden. Die Haltbarkeit hängt damit von anderen Dingen ab als bei einem physischen Gegenstand: von der technischen Funktionsfähigkeit des Systems und einem sorgfältig geschützten Zugang.
Gleichzeitig lässt sich ein Bitcoin in 100 Millionen Satoshis aufteilen. Du kannst also einen grossen Betrag halten und bei Bedarf kleine Teile davon übertragen.
Eigene Kontrolle über dein Geld
Wenn du Bitcoin selbst aufbewahrst, hältst du die privaten Schlüssel, mit denen du Zahlungen freigibst. Du musst keine Auszahlung bei einer Bank oder Börse beantragen. Die Wallet verwaltet diesen Zugang für dich.
Damit kannst du digitale Werte auf eine Weise kontrollieren, die sonst eher an Bargeld oder einen eigenen Goldbarren erinnert. Ein Bankguthaben ist dagegen ein Anspruch gegenüber der Bank. Du vertraust darauf, dass sie Überweisungen ausführt oder dir den Betrag auszahlt.
Diese Unabhängigkeit kann besonders wertvoll sein, wenn Menschen wenig Vertrauen in Banken haben. Doch auch wer mit seiner Bank zufrieden ist, erhält damit eine zusätzliche Wahlmöglichkeit.
Weltweite Übertragbarkeit
Bei Bitcoin verwenden Sender und Empfänger dasselbe weltweite Netzwerk. Du kannst Zahlungen über Landesgrenzen hinweg versenden, auch am Wochenende und unabhängig von Banköffnungszeiten.
Das macht den Vermögenswert beweglich. Einen Goldbarren musst du physisch transportieren, wenn du ihn einer weit entfernten Person übergeben möchtest. Bitcoin kannst du über das Internet senden. Mit Lightning ist das günstig und schnell. Sein Gewicht und seine Kosten steigen nicht mit dem übertragenen Betrag.
Damit verbindet Bitcoin zwei Eigenschaften, die sich bisher oft auf unterschiedliche Geldformen verteilten: Du kannst ihn selbst halten und trotzdem über grosse Entfernungen übertragen.
Überprüfbare Regeln statt Abhängigkeit von einer Zentrale
Die begrenzte Menge wäre wenig überzeugend, wenn sie lediglich ein Werbeversprechen eines Unternehmens wäre.
Bei Bitcoin können Teilnehmer die Buchführung und die Einhaltung der Regeln selbst überprüfen. Die dafür betriebenen Computer, sogenannte Full Nodes, kontrollieren neue Blöcke und Zahlungen, bevor sie diese weitergeben. Dabei prüfen sie unter anderem, ob eine Zahlung gültig ist und ob ein Miner mehr neue Bitcoin beansprucht, als die Regeln erlauben.
Für Sparer ist diese Überprüfbarkeit wichtig: Die Knappheit wird nicht nur behauptet, ihre Einhaltung lässt sich überprüfen.
Zudem lässt sich Bitcoin einfach auf Echtheit prüfen. Du musst keinen Goldbarren wiegen oder eine Banknote unter eine Prüflampe halten. Die Software kontrolliert anhand gemeinsamer Regeln, welche Zahlungen gültig sind.
Der Netzwerkeffekt: Warum die Nutzer entscheidend sind
Ein Telefon, mit dem du niemanden erreichen kannst, ist wenig hilfreich. Sobald deine Familie, Freunde und Geschäftspartner ebenfalls eines besitzen, steigt sein Nutzen.
Ein ähnliches Prinzip gilt für Geld: Je mehr Menschen ein Zahlungsmittel akzeptieren, desto mehr Möglichkeiten hast du, es einzusetzen.
Diese gegenseitige Verstärkung nennt man Netzwerkeffekt.
Bei Bitcoin wirkt er auf mehreren Ebenen: Mehr Nutzer machen es für Unternehmen interessanter, passende Wallets, Kaufmöglichkeiten oder Zahlungsdienste anzubieten. Und bessere Angebote erleichtern wiederum neuen Menschen den Einstieg. Ausserdem kann für Händler die Annahme attraktiver werden, wenn mehr Kunden mit Bitcoin bezahlen möchten.
Das bestehende Netzwerk ist also ein Teil seines wirtschaftlichen Nutzens. Ein Bestand ist nützlicher, wenn du ihn bei mehr Menschen verwenden kannst.
Wie stark zusätzliche Verbindungen ins Gewicht fallen können, zeigt ein einfaches Beispiel: Drei Personen können untereinander drei verschiedene Paare bilden. Bei sechs Personen sind es bereits 15. Es kommen also nicht nur weitere Teilnehmer hinzu, sondern auch viele mögliche Beziehungen zwischen ihnen.

Das Beispiel veranschaulicht, weshalb ein gewachsenes Netzwerk einen Vorteil gegenüber einem neu gestarteten Netzwerk bietet.
Bitcoin konnte über viele Jahre Nutzer, Handelsmöglichkeiten, Dienstleistungen und Akzeptanz aufbauen. Eine Kopie übernimmt diese Verbindungen nicht automatisch. Sie müssten sich erst entwickeln.
Auf der anderen Seite zeigt der Netzwerkeffekt auch, warum es für Bitcoin schwer sein kann, die Akzeptanz von Fiatgeld zu erreichen.
Warum investieren Menschen in Bitcoin?
Menschen investieren in Bitcoin, weil sie langfristig Kaufkraft bewahren oder ihr Vermögen vermehren möchten. Sie setzen darauf, dass mehr Menschen einen Teil ihres Geldes in Bitcoin halten werden. Seine begrenzte Menge spielt dabei eine wichtige Rolle.
Um diese Überlegung einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf unser heutiges Geldsystem.
Wie neues Geld entsteht
Neues Geld entsteht vereinfacht gesagt vor allem auf zwei Wegen:
- Durch Kredite: Vergibt eine Bank beispielsweise einen Kredit von CHF 100'000, schreibt sie diesen Betrag auf dem Konto des Kreditnehmers gut. Dabei entstehen ein neues Guthaben und eine ebenso grosse Schuld.
- Durch Wertpapierkäufe: Banken und Zentralbanken können beispielsweise Anleihen von Anlegern kaufen. Das sind handelbare Schuldscheine von Staaten oder Unternehmen. Dabei kann dem Verkäufer neu geschaffenes Geld auf seinem Konto gutgeschrieben werden.
Bei Kreditrückzahlungen wird Buchgeld wieder abgebaut. Entscheidend ist deshalb das Zusammenspiel aller Vorgänge: Entsteht mehr Geld, als wieder verschwindet, wächst die Geldmenge. Überwiegt der Abbau, schrumpft sie.
Wie viel Geld vorhanden ist, lässt sich unter anderem mit der Geldmenge M2 erfassen. In der Schweiz gehören dazu Bargeld sowie Guthaben auf Zahlungs- und Sparkonten.
Wie das folgende Diagramm zeigt, ist sie deutlich gewachsen.
In den letzten 40 Jahren hat sich die Geldmenge M2 in der Schweiz mehr als verfünffacht. In anderen Ländern sieht die Entwicklung ähnlich aus.
Kreditwachstum und geldpolitische Massnahmen haben in der Vergangenheit zu einem solchen Anstieg beigetragen. Viele Experten gehen davon aus, dass die Geldmenge künftig weiter zunimmt.
Warum Fiatgeld als langfristiger Wertspeicher Grenzen hat
Trifft eine wachsende Geldmenge auf ein Angebot an Waren und Dienstleistungen, das nicht entsprechend mitwächst, können die Preise steigen. Für deine Ersparnisse bedeutet das eine sinkende Kaufkraft.
Die SNB definiert Preisstabilität als einen Anstieg der Konsumentenpreise von weniger als 2% pro Jahr.
Legst du beispielsweise CHF 10'000 zinslos zur Seite, während die Inflation bei 2% pro Jahr steht, ist deine Kaufkraft nach zehn Jahren noch bei ungefähr CHF 8'203. Dein Geldbetrag ist zwar immer noch bei CHF 10'000, du kannst dir damit aber weniger kaufen.
Bargeld und Bankguthaben eignen sich gut, um laufende Rechnungen zu bezahlen und kurzfristige Reserven verfügbar zu halten. Über Jahrzehnte kann anhaltende Inflation jedoch einen erheblichen Teil deiner Kaufkraft aufzehren.
Zinsen können diesen Verlust meist nur teilweise ausgleichen.
Warum investieren Menschen in Gold?
Viele Menschen möchten nicht, dass ihr Erspartes durch die Inflation an Kaufkraft verliert. Deshalb suchen sie nach Gütern, deren Angebot sich schwerer ausweiten lässt.
Gold ist ein bekanntes Beispiel dafür.
Es ist selten, seine Förderung ist aufwendig und es ist ausgesprochen beständig. Ein Goldstück verdirbt und korrodiert nicht. Bereits gefördertes Gold kann deshalb über sehr lange Zeit erhalten bleiben.
Dazu kommt seine lange Geschichte. Menschen schätzen Gold seit Jahrtausenden, und auch Zentralbanken halten es als Reserve. Wer einen eigenen Goldbarren besitzt, hat ausserdem keinen blossen Zahlungsanspruch gegenüber einem Unternehmen. Der Vermögenswert liegt unmittelbar vor ihm.
Diese Eigenschaften erklären, weshalb Gold als langfristiger Wertspeicher geschätzt wird.
Für Zahlungen in einer digitalen Welt hat physisches Gold jedoch Nachteile. Grosse Beträge müssen sicher gelagert und transportiert werden. Kleine Beträge sind unpraktisch aufzuteilen, und beim Kauf musst du sicherstellen, dass das Metall echt ist. Kleine Barren und Münzen sind zwar erhältlich, ihre Herstellung und ihr Handel verursachen aber zusätzliche Kosten.
Lagerst du das Gold bei einem Anbieter und überträgst nur einen Anspruch darauf, wird die Nutzung bequemer. Dafür vertraust du wieder darauf, dass das Unternehmen den Bestand tatsächlich hält und herausgibt.
Warum Anleger in Bitcoin investieren
Bitcoin überträgt die Idee eines knappen Gutes, das du selbst aufbewahren kannst, in die digitale Welt.
Du kannst einen Teil deiner Ersparnisse darin aufbewahren, kleinere Beträge davon ausgeben und den Bestand über das Internet übertragen. Du musst dafür keinen physischen Barren bewegen. Gleichzeitig ist seine maximale Menge auf 21 Millionen Bitcoin begrenzt.
Darin liegt ein wesentliches Argument für eine langfristige Investition: Während die Menge an Franken, Euro oder Dollar wachsen kann, lässt sich das maximale Bitcoin-Angebot nicht entsprechend ausweiten. Wenn Anleger mehr von ihrem Geld für Bitcoin einsetzen, trifft eine wachsende Nachfrage auf ein Angebot, dessen Obergrenze nicht mitwächst.
Auf dieses Zusammenspiel von Knappheit und möglicher zusätzlicher Nachfrage setzen langfristig orientierte Bitcoin-Investoren.
Sie erwarten, dass Bitcoin gegenüber staatlichen Währungen an Wert gewinnt und ihre Kaufkraft dadurch erhalten bleibt oder steigt. Die Hoffnung auf eine breitere Nutzung des Netzwerks kommt als weiterer Grund hinzu.
Ist Bitcoin Geld?
Bitcoin lässt sich als Geld verwenden, erfüllt die damit verbundenen Aufgaben aber unterschiedlich gut. Seine begrenzte Menge und die Möglichkeit zur Selbstverwahrung erklären, weshalb Menschen darin investieren. Wie gut er sich als Geld eignet, hängt jedoch von weiteren Anforderungen ab.
Schauen wir uns deshalb an, wie Bitcoin die drei Geldfunktionen und die sechs zuvor beschriebenen Geldeigenschaften erfüllt.
Erfüllt Bitcoin die drei Geldfunktionen?
In der Theorie kann Bitcoin alle drei Geldfunktionen erfüllen. In der Praxis erfüllt er jedoch erst eine Funktion, und diese nur zum Teil.
- Als Tauschmittel lässt er sich für Zahlungen einsetzen, wenn der Empfänger ihn annimmt. Die feine Teilbarkeit und weltweite Übertragbarkeit helfen dabei. Seine begrenzte Akzeptanz und die Kursbewegungen erschweren bisher aber eine durchgehende Nutzung im Alltag.
- Als Wertaufbewahrungsmittel wird Bitcoin bereits von einigen Menschen nachgefragt. Sie schätzen die positiven Eigenschaften gegenüber anderen Geld- und Anlageformen. Ob er die Kaufkraft über einen gewünschten Zeitraum erhält, bleibt jedoch offen.
- Als Recheneinheit spielt er bislang eine kleinere Rolle. Löhne, Mieten und die meisten Warenpreise werden weiterhin in staatlichen Währungen festgelegt. Selbst bei einer Bitcoin-Zahlung wird der Betrag häufig aus einem Preis in Franken umgerechnet. In der Theorie lassen sich aber Produkte und Dienstleistungen mit Bitcoin (oder Satoshis) bepreisen.
Erfüllt Bitcoin die Geldeigenschaften?
Auch bei den sechs Geldeigenschaften zeigt Bitcoin sowohl Möglichkeiten als auch Grenzen:
- Knappheit: Die maximale Menge ist auf 21 Millionen begrenzt und die Ausgabe ist vorhersehbar.
- Haltbarkeit: Bitcoin nutzt sich durch Zahlungen nicht ab. Wie sicher sein Netzwerk ist, muss sich erst zeigen. Bisher gab es keine kritische Sicherheitslücke.
- Teilbarkeit: Bitcoin ist in 100 Millionen Satoshis teilbar. Du kannst kleine Bruchteile besitzen und übertragen.
- Transportierbarkeit: Weltweite Zahlungen sind ohne physischen Transport möglich. Mit Lightning sind sie meist sehr günstig und schnell.
- Austauschbarkeit: Ein Bitcoin entspricht rechnerisch einem anderen Bitcoin. Die öffentliche Transaktionshistorie kann aber dazu führen, dass Anbieter bestimmte Bestände anders behandeln.
- Akzeptanz: Bitcoin kann zum Sparen, Handeln und Bezahlen verwendet werden. Im Alltag kannst du ihn aber nicht überall einsetzen.
Bitcoin hat damit einige Vorteile gegenüber Gold und Fiatgeld. Er ist knapper, mobiler und besser teilbar. Gold ist dafür lange erprobt und physisch beständig. Und Fiatwährungen haben den Vorteil, dass sie breit akzeptiert sind.

Für mich lässt sich Bitcoin als eine noch junge Form digitalen Geldes verstehen. Er besitzt bereits wichtige Eigenschaften, ersetzt eine etablierte Alltagswährung bisher aber nur in einzelnen Anwendungen. Wie sich die Akzeptanz in Zukunft entwickelt, wird sich zeigen.
Ebenso wird sich zeigen, wohin der Bitcoin-Preis gehen wird.
Wie kommt der Bitcoin-Kurs zustande?
Der Bitcoin-Preis entsteht durch Angebot und Nachfrage.
Käufer und Verkäufer vereinbaren, wie viele Franken, Euro oder Dollar sie für Bitcoin bezahlen beziehungsweise erhalten.
Dabei zählt nicht nur, wie viele Menschen kaufen möchten. Entscheidend sind auch ihre Kaufbeträge und ihre Zahlungsbereitschaft. Ein einzelner grosser Kaufauftrag kann beispielsweise stärker ins Gewicht fallen als viele kleine.
Wie Käufer und Verkäufer zusammenfinden
An einer Handelsbörse werden Kauf- und Verkaufsaufträge zusammengeführt. Die noch offenen Angebote stehen im Orderbuch.
Ein Verkäufer kann beispielsweise festlegen, dass er erst ab CHF 101'000 pro Bitcoin verkauft. Ein Käufer kann bestimmen, dass er höchstens CHF 100'000 bezahlt. Solange ihre Vorstellungen nicht zusammenpassen, entsteht zwischen ihnen kein Handel.
Wer sofort kaufen möchte, kann dagegen auf die gerade verfügbaren Verkaufsangebote zugreifen. Die Börse führt den Auftrag mit den günstigsten passenden Angeboten zusammen.
Ein angezeigter Kurs bedeutet deshalb nicht, dass beliebig viele Bitcoin zu genau diesem Preis erhältlich sind.
Ein vereinfachtes Kaufbeispiel
Stell dir vor, auf einer Börse stehen gerade diese Verkaufsangebote:
- 0,1 BTC zu einem Preis von CHF 100'000 pro Bitcoin.
- Weitere 0,1 BTC zu CHF 101'000 pro Bitcoin.
- Weitere 0,3 BTC zu CHF 102'000 pro Bitcoin.
Du möchtest sofort 0,2 BTC kaufen.
Die ersten 0,1 BTC kosten dich CHF 10'000. Danach ist das günstigste Angebot aufgebraucht. Die nächsten 0,1 BTC erhältst du für CHF 10'100. Insgesamt bezahlst du ohne Gebühren also CHF 20'100. Dein durchschnittlicher Kaufpreis liegt damit bei CHF 100'500 pro Bitcoin. Der letzte Teil des Kaufs wurde aber bereits zu einem höheren Preis ausgeführt. Der neue Marktpreis liegt entsprechend bei CHF 101'000.
Daran lässt sich erkennen, wie ein Kauf den zuletzt gehandelten Preis nach oben bewegen kann. Werden die günstigen Verkaufsangebote aufgebraucht, kommen die höheren Preisstufen zum Zug. Bei grösseren Aufträgen kann deshalb ein Teil zu einem anderen Preis ausgeführt werden als zu Beginn angezeigt.
Umgekehrt funktioniert es beim Verkauf: Wer sofort verkaufen möchte, nimmt die verfügbaren Kaufangebote an. Sind diese aufgebraucht, müssen weitere Verkäufer gegebenenfalls niedrigere Preise akzeptieren.
Bei jedem abgeschlossenen Handel gibt es dabei einen Käufer und einen Verkäufer.
Die Formulierung «mehr Käufer als Verkäufer» ist deshalb verkürzt. Gemeint ist meist, dass Käufer mehr Bitcoin zum bisherigen Preis erwerben wollen, als dort angeboten werden.
Warum schwankt der Bitcoin-Preis laufend?
Kaufwünsche und Verkaufsbereitschaft verändern sich ständig. Menschen benötigen Geld, wollen Gewinne realisieren, sparen regelmässig oder ändern ihre Erwartungen. Auch wirtschaftliche Nachrichten und die Stimmung am Markt können beeinflussen, welche Preise sie akzeptieren.
Dafür muss sich an der maximalen Menge von 21 Millionen Bitcoin nichts ändern. Bereits die Frage, wie viele bestehende Einheiten gerade zum Verkauf stehen, kann einen grossen Unterschied machen.
Da es keinen zentral festgelegten Bitcoin-Kurs gibt, entstehen auf verschiedenen Handelsplätzen eigene Preise. Diese können voneinander abweichen.
Wert und Preis sind nicht dasselbe
Der Wert eines Gutes beschreibt den Nutzen oder die Bedeutung, die es für jemanden hat. Der Preis ist der Geldbetrag, der für seinen Kauf verlangt oder bei einem Handel tatsächlich bezahlt wird.
Diese Unterscheidung kennst du aus dem Alltag. Ein Fahrrad kann für jemanden besonders wertvoll sein, weil er es täglich für den Arbeitsweg benötigt. Für eine andere Person, die mit dem Auto zur Arbeit fährt, hat dasselbe Fahrrad einen geringeren Wert. Der angebotene Verkaufspreis kann trotzdem für beide gleich sein.
Auch bei Bitcoin bewerten Menschen dieselben Eigenschaften unterschiedlich. Für die eine Person ist das begrenzte Angebot ein entscheidender Vorteil. Eine andere möchte vor allem einen möglichst stabilen Gegenwert in Franken.
Die einen sehen in Bitcoin einen unvorstellbaren Wert, die anderen fast keinen.
Genauso kann ein Käufer erwarten, dass Bitcoin in Zukunft stärker nachgefragt wird, während ein Verkäufer vielleicht einfach nur seine Wohnung bezahlen möchte. Beide können denselben Handel sinnvoll finden.
Sie müssen sich über den Preis einig sein, nicht über die Zukunft von Bitcoin.
Fazit: Was hinter dem Wert von Bitcoin steckt
Geld hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder verändert. Menschen nutzten Waren, Edelmetalle, Banknoten und digitale Guthaben, um Handel zu betreiben und Kaufkraft aufzubewahren.
Bitcoin ergänzt diese Entwicklung um einen eigenen Ansatz: einen begrenzten Vermögenswert, den du selbst kontrollieren und weltweit übertragen kannst.
Viele seiner Eigenschaften passen zu den Anforderungen an gutes Geld.
Gleichzeitig bleiben die begrenzte Akzeptanz und die Kursschwankungen wichtige Unterschiede zu etablierten Währungen.
Für mich ist besonders die Verbindung zwischen einer wachsenden Franken-Geldmenge und einer begrenzten Bitcoin-Menge überzeugend. Sie ist der Hauptgrund, weshalb ich seit 2021 einen Teil meiner Ersparnisse in Bitcoin halte.
Häufige Fragen zum Wert von Bitcoin
Wie hoch kann Bitcoin steigen?
Eine feste Preisobergrenze in Franken oder Euro gibt es nicht. Wie hoch der Kurs tatsächlich steigt, hängt davon ab, wie stark Bitcoin nachgefragt wird und zu welchen Preisen Besitzer verkaufen. Konkrete Kursziele sind deshalb keine verlässlichen Vorhersagen.
Hat Bitcoin einen inneren Wert?
Bitcoin hat keinen inneren Wert in Form von Unternehmensgewinnen oder einem hinterlegten Rohstoff. Sein Nutzen liegt in seinen Geldeigenschaften: Du kannst einen knappen digitalen Bestand selbst kontrollieren und übertragen. Dass Bitcoin keine Gewinne ausschüttet, macht ihn deshalb nicht automatisch wertlos. Wert ist grundsätzlich subjektiv.
Ist Bitcoin durch etwas gedeckt?
Nein, hinter Bitcoin liegen keine Goldbarren oder Frankenreserven, gegen die du ihn zu einem festen Kurs eintauschen kannst. Bitcoin ist ein eigenständiger Vermögenswert. Sein Marktpreis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Auch modernes Fiatgeld wie der Schweizer Franken ist nicht gegen eine feste Menge Gold einlösbar.
Ist Bitcoin ein Schneeballsystem?
Nein, bei einem klassischen Schneeballsystem täuscht ein Betreiber Erträge vor und bezahlt frühere Anleger mit dem Geld neuer Teilnehmer. So beschreibt es auch die US-Börsenaufsicht SEC. Bitcoin hat keinen Betreiber. Beim Verkauf bezahlt dich ein Käufer für deine Bitcoin. Dass manche auf steigende Kurse spekulieren, macht das Netzwerk nicht zu einem Schneeballsystem.
Woher kommt der Wert von Bitcoin?
Der Wert von Bitcoin kommt aus der Nachfrage von Menschen, die seine Eigenschaften nutzen oder langfristig davon profitieren möchten. Bitcoin verbindet eine begrenzte Menge mit Selbstverwahrung und weltweiter Übertragbarkeit. Weil Menschen diese Möglichkeiten schätzen, sind sie bereit, dafür Geld zu bezahlen.
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