Das trojanische Pferd: Bitcoin aus wirtschaftlicher Sicht

Die Bitcoin Adaption nimmt international in den letzten Jahren Fahrt auf. Dabei ist Bitcoin aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich das trojanische Pferd im Vorgarten.

Das trojanische Pferd: Bitcoin aus wirtschaftlicher Sicht

Vor 12 Jahren kannte ihn kaum jemand. Nur ein paar wenige (meist technisch versierte) Menschen nutzten ihn. Menschen, die besonders grossen Wert auf ihre Privatsphäre legen.

Heute ist er im Mainstream angekommen. Er wird nicht mehr nur von einer kleinen Randgruppe genutzt, sondern auch von Unternehmen - ja sogar von Staaten.

Die Rede ist von Bitcoin.

Bitcoin hat es geschafft, dass selbst Zentralbanken auf ihn aufmerksam geworden sind. Wobei "aufmerksam geworden" noch bescheiden ist. Zentralbanken sehen in Bitcoin regelrecht eine Bedrohung. Immer wieder veröffentlicht die Europäische Zentralbank (EZB) Artikel, in denen sie vor Bitcoin warnen. "Bitcoin verbraucht zu viel Strom." und "Sein Preis schwankt zu stark." sind Behauptungen, die die EZB immer wieder aufstellt. Behauptungen, auf die wir bereits in diesem Artikel eingegangen sind.

Heute soll es vielmehr darum gehen, wie Bitcoin bereits in der Wirtschaft adaptiert wurde und was prominiente Bitcoin-Kritiker aus der Welt der Wirtschaft gemeinsam haben. Kurzum: Was ist Bitcoin aus wirtschaftlicher Sicht?

Bitcoin-Adaption in der Wirtschaft

Als Hal Finney im Jahr 2009 auf Twitter den ersten Tweet zum Thema Bitcoin absetzte, konnte er sich wohl in seinen wildesten Träumen nicht ausmalen, dass nur wenige Jahre später etliche börsennotierte Firmen Bitcoin als Rücklage integriert haben. Eine derart schnelle Adaption übertrifft wahrscheinlich das Best Case Szenario aus 2009 um Längen.

Die bekanntesten börsennotierten Halter von Bitcoin sind MicroStrategy und Tesla, die ihre Bestände in den Jahren 2020 bzw. 2021 kauften. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass MicroStrategy nicht die Firma ist, die die meisten Bitcoin hält. Das private Unternehmen Block.one aus Hong Kong hält verschiedenen Angaben zufolge zwischen 140'000 und 164'000 Bitcoin. Dieses riesige Vermögen konnte durch den ICO des mittlerweile fast wertlosen Coins EOS angehäuft werden. Rechnet man verlorene Bitcoin mit ein, könnte Block.one knapp 1% aller Bitcoin im Umlauf besitzen.

Adaption findet aber auch ausserhalb von Unternehmen statt. So gibt es bereits seit Langem Spekulationen über einen möglichen Bitcoin-Spot-ETF in den USA. Ein Bitcoin-Spot-ETF ist ein Finanzprodukt, das den Preis von Bitcoin direkt abbildet und mit dem zugrundeliegenden Vermögenswert (in unserem Fall Bitcoin) gedeckt ist. Der Vorteil? Es vereinfacht den Zugang für Personen und Unternehmen, die lieber in ein reguliertes Finanzprodukt investieren wollen und somit keine Bitcoin selbst aufbewahren müssen.

Menschen, die unsere Videos auf YouTube verfolgen, wissen allerdings, dass man durch einen Spot-ETF Bitcoin nicht wirklich besitzt. Vielmehr ist man dadurch einem Gegenparteirisiko ausgesetzt. Für Bitcoin Befürworter, die die Werte von Bitcoin wirklich verstehen, gilt weiterhin:
Not your keys, not your coins!

Viele andere Länder haben einen solchen Spot-ETF bereits bewilligt. Die USA gilt jedoch durch die Grösse ihrer Wirtschaft als wichtigste Benchmark.

Der Chef der Amerikanischen Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler, hat unlängst Anlegern Hoffnung gemacht, als er Bitcoin als ‚Commodity‘ (Ware bzw. Rohstoff) bezeichnete. Diese Einstufung würde Bitcoin mit Gold gleichsetzen und die Bewilligung eines ETF ziemlich sicher vereinfachen.

Die Aussage Genslers ist ebenfalls der Grund, weshalb wir so schnell keinen ETF einer anderen Kryptowährung sehen. Denn Altcoins (inkl. Ethereum) werden von ihm als ‚Security‘ (Wertpapier) angesehen. Mit einer solchen Einstufung könnte die SEC Anklage wegen der Ausgabe von nicht registrierten Wertpapieren erheben. In diesem Prozess steckt momentan beispielsweise Ripple und der dazugehörige Token XRP.

Allein diese Einstufung zeigt auf, dass Bitcoin eben nicht das Gleiche wie die anderen Kryptowährung ist und als einziger wirkliche Dezentralität aufweist.

Was haben prominente Bitcoin-Kritiker aus der Wirtschaft gemeinsam?

Obwohl (bzw. gerade weil) die Bitcoin-Adaption so stark zugenommen hat, wird Bitcoin oft von einflussreichen Personen der Weltwirtschaft kritisiert. Wir haben uns mal einige Aussagen angesehen:

Wirtschaftsprofessor John Quiggin (2013)

„Bitcoin sind das am leichtesten zu belegende wertlose Asset, das je erschaffen wurde.“

Nobelpreisträger Paul Krugman (2018)

„Bitcoin ist eine technomystische Spekulationsblase in einem Kokon libertärer Ideologie.“

Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini (2018)

„Bitcoin ist die Mutter aller Spekulationsblasen.“

Ehemaliger US-Notenbankchef Alan Greenspan (2013)

„Man muss wirklich seine Vorstellungskraft bemühen, um den intrinsischen Wert von Bitcoin zu erfassen. Mir war es nicht möglich.“

Chef der Bank of International Settlements Agustin Carstens (2018)

„Bitcoin ist eine Kombination einer Spekulationsblase, eines Schneeballsystems und einem Umweltdesaster.“

Investor Warren Buffett (2018)

„Bitcoin ist Rattengift zum Quadrat.“

All diese Menschen haben eines gemeinsam: Sie profitieren vom aktuellen wirtschaftlichen System und eine steigende Adaption von Bitcoin hätte für sie keinerlei Vorteile.

Warren Buffett nennt Bitcoin in einem anderen Interview „unproduktiv“. Geld muss jedoch nicht produktiv sein, sondern erbrachte Arbeitsleistungen als Wert speichern und in die Zukunft tragen können.

Teil der Wahrheit bei Kapitalerträgen durch Aktiengewinne und Dividenden ist, dass diese hauptsächlich durch Inflation (Ausweitung der Geldmenge) möglich ist. Fiatgeld gewinnt nicht an Wert, sondern es vermehrt sich. Und diese Vermehrung kommt nicht bei allen Wirtschaftsteilnehmenden gleichermassen an.

Es profitieren diejenigen, die näher an der Quelle des Geldes sitzen. Sprich: Banken, Politiker, Regierungen usw. Dieser Effekt wird auch Cantillon-Effekt genannt. Es ist klar, dass Personen, die enorm von diesem Effekt profitieren, über Bitcoin wenig Gutes sagen. Denn Bitcoin ist ein Geldsystem, welches niemanden strukturell bevorteilt, weder einen Zentralbankchef, einen Warren Buffett noch einen Max Mustermann von Bierdorf nicht. So stellt Bitcoin wahrhaftige Leistungsgerechtigkeit und Chancengleichheit sicher.

Fazit

Wir leben in einer Welt in der Menschen, die die Macht über das Geld haben, auch die Macht über Medien, Bildung und Politik haben – und trotzdem entwickelt sich Bitcoin so gut. Die Bitcoin-Adaption in der Wirtschaft ist beeindruckend, da die fundamentalen Werte von Bitcoin (Dezentralität, Knappheit, Zensurresistenz etc.) ja eigentlich das wirtschaftliche System, wie wir es kennen, umgehen oder sogar aushebeln möchte. Deshalb ist Bitcoin so etwas wie das trojanische Pferd der Weltwirtschaft.

Vielen Investoren und Tradern gefällt Bitcoin als Technologie und wegen der volatilen Schwankungen am Markt. Wer sich jedoch tiefer mit der Materie beschäftigt, wird zwangsweise hinter die Kulissen des Systems schauen und einige Probleme erkennen.

Bitcoin lehrt, dass Knappheit wichtig ist und unbegrenztes Wachstum dem Geld, den Menschen und der Welt schadet. Die wahre wirtschaftliche Perspektive von Bitcoin hat also nichts mit einer Investition am Finanzmarkt zu tun. Die wahre wirtschaftliche Perspektive ist eine Investition in ein besseres Wirtschaftssystem.

Geniess die BitcoinReise und bis zum nächsten Mal.

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