Kann eine Regulation in einem dezentralen System gelingen?

Finanzinstrumente unterliegen für gewöhnlich besonders strenger staatlicher Regulierung. Doch kann das auch in einem dezentralen System wie Bitcoin gelingen?

Kann eine Regulation in einem dezentralen System gelingen?

Egal ob Aktien, Anleihen oder Immobiliengeschäfte. Für fast jede Art von Transaktion mit Wertpapieren oder Wertgegenständen gibt es staatliche Regulierungen. Lizenzen müssen erworben werden, regelmässige Audits durchgeführt werden und es gibt Auflagen für Käufer und Verkäufer.

Scheitern Finanzunternehmen innerhalb der staatlichen Regulierung, gibt es oftmals Rettungspakete, bei denen der Schaden der Betroffenen verringert werden soll – im Normalfall durch Umlage auf die Gesamtgesellschaft. So geschehen ist das z.B. während der Finanzkrise im Jahr 2008.

Kryptowährungen hingegen geniessen nicht den gleichen Status wie Wertpapiere, sodass diese bei einer eventuellen Insolvenz der Börse in Gefahr sind.

Der aktuelle Fall der Kryptobörse FTX zeigt deutlich, dass eine Aufbewahrung von Bitcoin und anderen kryptographischen Vermögenswerte auf unregulierten Börsen unsicher ist. Das liegt einerseits an fehlender Kontrolle der Firmen, andererseits aber auch am fehlenden Status der Vermögenswerte selbst. Ein Ansatz wäre also Bitcoin & Co. auf den gleichen Status eines Wertpapiers zu erheben. Dies hätte einerseits die bessere Kontrolle der Kryptobörsen zur Folge, andererseits aber auch steuerliche und administrative Hürden.

Der andere Ansatz, der allerdings sicher nicht im Sinne des Staates ist, wäre es einen komplett freien Markt zu etablieren, in dem jeder sein Risiko selbst übernehmen muss. Dort würde es keine Rettungspakete und keine verpflichtenden Überprüfungen für Kryptobörsen geben. Marktanreize würden jedoch vermutlich zu einer grossen Transparenz bei den Marktführern führen. Da die Regulatoren allerdings gern die Zügel in der Hand halten, wird eine marktliberale Version der Regulierung wohl nicht kommen.

Wohin geht also die BitcoinReise beim Thema Regulierungen? In diesem Artikel, der sich in unsere Reihe zu den Gefahren rund um Bitcoin einreiht, werden wir uns anschauen, ob eine Bitcoin Regulierung überhaupt technisch möglich ist und welche konkreten Planungen es seitens der Staaten bereits gibt.

Welche Gesetze könnten kommen?

Bei der Überlegung welche konkreten Regulierungen für Bitcoin in Frage kommen könnten, sehen sich Regulatoren einem zentralen Problem gegenüber, welches sich so bei keinem anderen Produkt am Finanzmarkt ergibt:

Bitcoin ist kein Unternehmen und funktioniert Peer-to-Peer
(also direkt zwischen zwei Teilnehmenden).

Das bedeutet vor allem, dass es keinen Mittelsmann gibt, dem man die Ausführung der Transaktionen verbieten, oder dem man Auflagen unterbreiten könnte.

Für die Regulatoren folgen aber noch weitere Probleme:

Bitcoin ist dezentral, Bitcoin kann nicht zensiert werden, Bitcoin kann nicht konfisziert werden, Bitcoin kann man sich ohne Registrierung und sogar anonym beschaffen.
Kurzum: Ein Albtraum für den Staat.

Welche Hebel bleiben den Gesetzgebern also, um Bitcoin zu regulieren?

Steuern

Momentan werden Kryptowährungen noch nicht flächendeckend wie Finanzprodukte behandelt. In Deutschland beispielsweise gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch eine Haltefrist von einem Jahr. Nach dieser Haltefrist ist ein allfälliger Gewinn aus dem Verkauf steuerfrei. Die Veräusserung von Bitcoin & Co. fällt unter den Steuerbegriff der ‚privaten Veräusserungsgeschäfte‘.

In der Schweiz unterliegen Kryptowährungen lediglich der Vermögenssteuer. Zumindest, wenn die Steuerbehörde bei dir nicht von einem gewerblichen Handel ausgeht. Kursgewinne sind demnach ebenfalls steuerfrei.

In gewisser Weise sind Deutschland und die Schweiz damit echte Krypto Steueroasen.

Die Gesetzgeber haben beim Thema Steuern aber noch viele Gestaltungsmöglichkeiten, die die Nutzung von Bitcoin in Zukunft extrem unattraktiv machen könnte – gerade im täglichen Zahlungsverkehr.

Meldepflichten

Durch kommende EU-Regulierung im Rahmen der MiCA (Markets in Crypto Assets) Regulierung wird es durch die ‚Transfer of Funds Regulation‘ (TFR) (oder auch kurz Travel Rule genannt) für Kryptobörsen notwendig sein, die persönlichen Daten von Empfängern und Sendern von Transaktionen zu erfassen. Mit diesem Gesetz müssen Betreiber von Börsen die Adressen privater Wallets erfassen und zentral speichern. Dies führt zu riesigen Datenpools voller sensibler Informationen und ist ein Beispiel dafür, wie sich Richtlinien aus dem Bankensektor nicht in die Welt von Bitcoin übertragen lassen.

Die Schweiz ist davon vorerst nicht betroffen und geniesst hier mehr Freiheiten. Nichtsdestotrotz, sind Meldepflichten eine weitere Möglichkeit für den Staat, Nutzer von dem dezentralen Bitcoin Netzwerk abzuhalten.

On- und Offramps

So werden Schnittstellen genannt, an denen man Bitcoin in Fiatwährungen (wie der Euro oder der Schweizer Franken) tauschen kann und zurück.

In der EU muss eine Kryptobörse (aufgrund geltenden Richtlinien zur Bekämpfung von Geldwäsche) sicherstellen, dass sie ihre Kunden kennt. Das macht sie, indem sie persönliche Daten ihrer Nutzer in dem sogenannten KYC-Verfahren (‚Know Your Customer‘) erfasst. So musst du dich beispielsweise bei der Anmeldung auf einer Börse mit deinem Personalausweis identifizieren. Zusätzlich werden den Börsen in der EU noch weitere Verordnungen auferlegt – vor allem wenn die MiCA Regulierung eingeführt wird.

In der Schweiz gibt es zum heutigen Zeitpunkt noch nicht wirklich Einschränkungen durch On- und Offramps. Erst bei einem Kauf von über CHF 1000.– muss eine Börse die persönlichen Daten ihrer Kunden speichern. So kannst du beispielsweise beim Schweizer Startup Relai ohne KYC-Verfahren Bitcoin kaufen. Mit dem Code BITCOINREISE sparst du sogar noch 0,5% auf die Gebühren.

In einem zukünftigen Extremszenario könnte man den Handel mit Kryptowährungen über Börsen allerdings ganz verbieten. Möglich wäre auch, dass es Banken verboten wird, Transaktionen von (bzw. an) Kryptobörsen zu akzeptieren. Dies ist zum Beispiel in China geschehen.

Ist ein Bitcoin Verbot technisch umsetzbar?

Ein Bitcoin-Verbot auf fundamentaler Ebene – der Blockchain – ist nicht möglich. Im Gegensatz zu staatlichen Strukturen gibt es bei Bitcoin keine Nutzer, die ein Gewaltmonopol auf die Entscheidungen im Netzwerk erhalten können. Entscheidungen im Netzwerk können lediglich Nodebetreiber treffen, welche dezentral über die Welt verteilt sind. Keine einzelne Entität könnte Bitcoin stoppen oder manipulieren.

Natürlich gibt es die theoretische Möglichkeit einer 51%-Attacke. Was es dazu bräuchte, hat jedoch einen eigenen Artikel verdient. Die Ressourcen, die es für eine derartige Attacke auf Bitcoin bräuchte, wären jedoch gewaltig.

Regulatoren können also nur um Bitcoin ‚herum‘ regulieren. Eine direkte Regulation von Bitcoin auf technischer Ebene ist demnach nicht möglich. Direkte Transfers unter privaten Wallets (also Peer-to-Peer) können de facto nicht verboten, beziehungsweise das Verbot nicht durchgesetzt werden. Und sofern die Einlagen nicht von einer Börse stammen, welche die persönlichen Daten ihrer Nutzer speichert (Non-KYC Börsen, einige Bitcoin ATMs, Mining), sind die Transaktionen ungeachtet der geltenden Regulation unter unbekannten Pseudonymen möglich.

Hinzu kommt, dass ein strenges Verbot der On- und Offramps in einem Land (oder im Falle der EU in mehreren Länder) nur dazu führt, dass Unternehmen, Miner und Nutzer in ein anderes Land weiterziehen. So hat es die USA sehr begrüsst, als China ein Verbot ausgesprochen hat. Ein Land, welches Bitcoinbörsen verbietet, macht sich unattraktiv und verliert Innovationskraft. Spieltheoretische Anreize sorgen dafür, dass es sehr wahrscheinlich immer Länder geben wird, die Kryptobörsen oder Miner mit offenen Armen empfangen.

Fazit

Da Regulationen unumgänglich sein werden, bleibt zu hoffen, dass sich die Gesetzgeber eingehend mit den Themen rund um Bitcoin auseinandersetzen werden. Der Unterschied zwischen einem Entwurf für ein souveränes, neues und dezentrales Geldsystem wie Bitcoin und unregulierten Unternehmensanteilen von Fintechs, wie es die meisten Altcoins sind, ist zu bedeutend, um in einer anstehenden Regulation übersehen zu werden.

Momentan gibt es in der Regulation für die Verbraucher zu viele Fehlanreize, da die unregulierten Börsen im Ausland (z.B. auf den Bahamas) meist einfacher und günstiger zu nutzen sind. Zudem werden durch schnelle Verfügbarkeiten von (meist unnützen) Altcoins unerfahrene Nutzer besonders angezogen. Bei den regulierten Börsen in der EU hingegen muss man meist ein eingehendes KYC-Verfahren über sich ergehen lassen. Viele Leute werden so dazu verleitet, eine erhöhte Sicherheit zu Gunsten von Profit und einer geringeren Bürokratie zu opfern. Einheitliche Regulationen würden für Klarheit und Planungssicherheit sorgen und Fehlanreize vermeiden. Eine weltweite Umsetzung ist dabei jedoch sehr unwahrscheinlich.

Zu harte Regulationen in einem Land würden sicherlich dazu führen, dass einige Menschen das Interesse an Bitcoin verlieren. Gerade aber in Regionen mit einer unsicheren Währung könnte eine wohlwollende Bitcoin Regulierung von Vorteil sein. Hier haben wir das Beispiel El Salvador, die sich durch ihren Vorstoss im Jahr 2021 mit der Einführung von Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel zum globalen Versuchskaninchen gemacht haben. Man wird sehen, wie eine offene Regulation Bitcoin beeinflusst und wie sich etablierte Staaten in den nächsten Jahren entscheiden werden. Gegen Innovation – wie China. Oder für Innovation – wie El Salvador. Das BitcoinReise Team weiss jedenfalls, an welchem Strand es in Zukunft lieber seine Satoshis ausgibt.

Geniess die BitcoinReise und bis zum nächsten Mal.

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