Was ist das Bitcoin-Halving?

Die Halbierung der Bitcoin-Blocksubvention hat in der Vergangenheit zu einem starken Preisanstieg geführt. Warum ist das so? Und wird das wieder der Fall sein?

Was ist das Bitcoin-Halving?

In ca. einem Monat ist es soweit. Das wohl wichtigste Event in der Krypto-Welt findet statt: Die Halbierung der Bitcoin-Blocksubvention.

Auch bekannt als das Bitcoin-Halving.

Doch worum handelt es sich hierbei genau? Welchen Einfluss hat es auf die Miner? Und vor allem: Welchen Einfluss hat es auf den Preis?

Das Bitcoin-Halving einfach erklärt

Nun... Was ist das Bitcoin-Halving?

Dazu musst du zuerst verstehen, wie eine Blockchain funktioniert und wie neue Bitcoin erzeugt werden. Wir haben vor 4 Wochen bereits einen Beitrag darüber geschrieben. Nochmals als kurze Erinnerung:

Miner fassen Bitcoin-Transaktionen in einen Block zusammen. Der Miner, der es als erstes schafft, einen neuen gültigen Block zu "finden", darf den Block an die bestehende Blockkette anhängen und eine Belohnung einkassieren. Die Belohnung besteht dabei aus den Transaktionsgebühren und der Blocksubvention von aktuell 6,25 BTC.

Durchschnittlich alle 10 Minuten wiederholt sich dieser Vorgang.

Zurzeit kommen so also jeden Tag etwa 900 Bitcoin zum vorhandenen Bestand hinzu.

Das war aber nicht immer so. Nach Bitcoins Entstehung im Jahr 2009 erhielten die Miner 50 Coins pro Block. Doch ein Mechanismus, der durch Programmcode im Bitcoin-Protokoll festgelegt ist, sorgt dafür, dass sich die Blocksubvention alle 210'000 Blöcke halbiert.

Und genau das ist das sogenannte Bitcoin-Halving.

Es kontrolliert und reguliert auf eine geniale Weise die Geldmengeninflation im Bitcoin-Ökosystem.

Der Halving-Mechanismus

Am 28. November 2012 fand das erste Halving-Event statt. Damals wurde die Blocksubvention von 50 Bitcoin auf 25 reduziert. Die zweite Halbierung fand am 9. Juli 2016 statt. Entsprechend wurde die Ausgabemenge wieder durch zwei geteilt. Aus 25 wurden 12,5. Und knapp 4 Jahre später, am 11. Mai 2020, schliesslich von 12,5 auf 6,25.

Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels stehen wir bei Block Nummer 834'209. Bis zur Blockhöhe 840'000 ist es nicht mehr weit.

Da wir wissen, dass durchschnittlich alle 10 Minuten ein neuer Block "gefunden" wird, können wir davon ausgehen, dass das vierte Bitcoin-Halving ca. am 18. April 2024 stattfinden wird. Dann wird die Blocksubvention erneut halbiert.

Von 6,25 auf 3,125.

Überblick Bitcoin-Halving

Dieser 4-Jahres-Zyklus ist innerhalb der Bitcoin-Community allgemein bekannt. Damit ist ebenfalls bekannt, dass die Blocksubvention im Jahr 2052 noch 0,02441406 Bitcoin betragen wird. Oder anders gesagt, etwa 2,4 Millionen Satoshis. 2088 sind es noch 4'768 Satoshis. Und im Jahr 2140 ist Schluss.

Dann wird kein einziger Satoshi mehr vom Netzwerk freigegeben und die maximale Anzahl an Bitcoin ist erreicht.

21 Millionen. Mehr wird es nicht geben.

Was sind die Auswirkungen des Halvings auf die Miner?

Bei gleichbleibendem Preis und gleichbleibender Netzwerkaktivität bedeutet das Halving, dass sich die Einnahmen der Miner um 50% reduzieren.

Der Strom und die Instandhaltung der Hardware müssen sie allerdings weiterhin bezahlen. Deshalb ist es durchaus möglich, dass Miner nach dem Halving nicht mehr genug verdienen, um ihre laufenden Kosten zu decken. Folglich müssten sie ihre Geräte abstellen. Und das wiederum würde zu einer geringeren Hashrate führen und die Netzwerksicherheit gefährden.

Nun...

In den vergangenen Jahren ist die kumulierte Rechenleistung jedoch kontinuierlich gestiegen. Oben genannte Auswirkungen scheinen also nicht eingetreten zu sein.

Warum ist das so?

Naja, einerseits wissen die Miner über das Bitcoin-Halving Bescheid. Sie können sich entsprechend darauf vorbereiten.

Andererseits, und das ist wohl entscheidender: Unsere erste Voraussetzung wurde in der Vergangenheit nicht erfüllt. Der Bitcoin-Preis ist nie gleich geblieben. Ganz im Gegenteil. Bisher ist der Preis nach einem Halving immer gestiegen.

Woran liegt es, dass der Bitcoin-Preis nach dem Halving immer gestiegen ist?

Dafür gibt es zwei Gründe.

Welcher der beiden eine grössere Rolle spielt, ist nicht abschliessend klar. In Kombination scheinen sie aber ihre ganze Kraft entfalten zu können.

Beginnen wir mit dem ersten Grund:

1. Der Angebotsschock durch die Halbierung

Der Bitcoin-Preis (wie der Preis von allen Gütern) ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Wenn wir also von einer konstanten Nachfrage ausgehen, wird eine Halbierung des neu dazukommenden Angebots unweigerlich zu einem Angebotsschock und damit zu einer Preissteigerung führen.

Stell es dir so vor:

Du beziehst jeden Tag 6 Eier von einem Bauern nebenan. Dieser hat genau 30 Legehennen, die zusammen jeden Tag 30 Eier legen. Weit und breit ist er der Einzige, der Eier verkauft. Für den Bauer ist das perfekt. Denn er hat genau 5 Kunden, die so sind wie du. Jeden Morgen wollen seine Kunden ein Rührei mit 6 Eiern geniessen. Doch eines Tages betritt der Bauer den Hühnerstall und muss mit Entsetzen feststellen, dass 3 Legehennen verschwunden sind. Nun... Du und alle anderen Kunden möchten weiterhin ein Rührei mit 6 Eiern. Die Nachfrage kann aber nicht mehr mit dem reduzierten Angebot gedeckt werden.

Entsprechend konkurrierst du jeden Tag mit allen anderen Kunden um die übrig gebliebenen Eier. Der Preis pro Ei wird dadurch auf jeden Fall steigen.

Bei Bitcoin passierte das Gleiche. Innerhalb eines Jahres nach der ersten Halbierung stieg der Preis um den Faktor 81. Bei der zweiten und dritten verringerte sich der Faktor, betrug aber noch immer 3,9 bzw. 6,3.

Bitcoin-Preis nach dem Halving

Wie gesagt, der Angebotsschock ist vermutlich nicht der einzige Grund für den vergangenen Preisanstieg.

Genauso gab es in der Vergangenheit eine Erhöhung der Nachfrage.

Und das führt zu Grund Nummer zwei:

2. Der Nachfrageschock durch die Zunahme der globalen Geldmenge M2

Immer wenn die globale Geldmenge ausgeweitet wurde, hat sich auch der Bitcoin-Preis erhöht.

Dieser Effekt ist wohl selbsterklärend. Eine höhere Anzahl an Euro, Dollar und Schweizer Franken trifft auf eine begrenzte Anzahl an Bitcoin.

Und das bringt uns zur alles entscheidenden Frage:

Wird das bevorstehende Halving wieder zu einem Preisanstieg führen?

Die kurze Antwort? Keine Ahnung. Wir haben keine Glaskugel und können nicht in die Zukunft schauen.

Und trotzdem: Die Argumentation, dass die Halbierung zu einem Angebotsschock führt, ist schlüssig. Zudem können wir davon ausgehen, dass die Zentralbanken schon bald wieder ihre Leitzinsen senken und die globale Geldmenge M2 erneut stark zunehmen wird.

Unter diesen Gesichtspunkten scheinen neue Höchststände für Bitcoin zum Greifen nah.

Auf der anderen Seite kann man aber genauso argumentieren, dass die Informationen schon im Markt eingepreist sind. Bitcoin hat in den vergangenen 14 Monaten bereits eine beeindruckende Rallye hingelegt und alle anderen Vermögensklassen in diesem Zeitraum weit hinter sich gelassen.

Wohin die Reise also nach dem Halving gehen wird, bleibt weiterhin offen.