Experiment: Bitcoin in El Salvador

Der zentralamerikanische Staat El Salvador hat Bitcoin im Jahr 2021 als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt. 2 Jahre später schreitet die Adaption nur noch langsam voran. Ist das Experiment gescheitert?

Experiment: Bitcoin in El Salvador

Die Einführung eines neuen offiziellen Zahlungsmittels will für einen Staat wohl überlegt sein. Immerhin sollen die Bürger des Landes in dieser Währung ihr Vermögen ansparen können und ihre Steuern bezahlen dürfen. Die Börsen des Landes sollen in dieser Währung Finanztransaktionen durchführen und die Geschäftsleute müssen auf die Stabilität der Währung beim nationalen und internationalen Handel zählen können.

Die Frage ist dabei meist:

Hat ein Staat die administrativen und finanzpolitischen Ressourcen, um eine eigene Währung einzuführen, oder bedient man sich der (möglichst stabilen) Währung eines anderen Staates?

Entscheidet man sich gegen eine eigene Währung, hat das vor allem negative Konsequenzen für die Eigenständigkeit des Landes, da man in dem Fall keinen Einfluss mehr auf die Geldpolitik hat.

Das kleine zentralamerikanische Land El Salvador hat bei diesem Thema einen interessanten Weg eingeschlagen.

Die Währungen in El Salvador

Die offizielle Währung von El Salvador war bis zum Jahr 2001 der Salvadorianische Colón (SVC). Danach wurde sie vom US-Dollar abgelöst.

Die Entscheidung zur Einführung des US-Dollars als offizielle Währung von El Salvador wurde ein Jahr davor getroffen, als das Land mit einer schweren Wirtschaftskrise zu kämpfen hatte.

Die Einführung des US-Dollars sollte die Wirtschaft stabilisieren und Investoren anziehen.

Der Wechselkurs wurde auf 8,75 Colónes pro US-Dollar festgelegt und die Bevölkerung hatte bis zum 31. Dezember 2003 Zeit, ihre Colónes in US-Dollar umzutauschen.

Weitere Jahre vergingen und das Land hatte noch immer mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.

Im Jahr 2021 bekam der US-Dollar jedoch Gesellschaft.

Präsident Nayib Bukele hat im Juni 2021 verkündet, dass er dem Kongress einen Gesetzesentwurf vorlegen wird, der Bitcoin zu einem legalen Zahlungsmittel macht. 2 Monate später wurde Bitcoin schliesslich neben dem US-Dollar zur neuen offiziellen Landeswährung.

Das Land beschreitet damit einen Pionierweg.

Auf der ganzen Welt wird dieses Experiment nun seit knapp 2 Jahren aufmerksam verfolgt.

Wie kam Bitcoin nach El Salvador?

Begonnen hat alles in einem kleinen Fischerdorf an der Küste El Salvadors – im Surferparadies El Zonte, das in der Bitcoin-Community als Keimzelle der Bewegung bekannt geworden ist.

Die Gemeinde hat die Einführung von Bitcoin als Zahlungsmittel vorangetrieben und nutzt die dezentrale Währung nun für Einkäufe in lokalen Geschäften und Restaurants sowie für Überweisungen aus dem Ausland. Viele Staatsbürger El Salvadors arbeiten im Ausland und überweisen ihren Lohn zur Familie nach Hause.

Dabei zahlen sie teilweise horrende Gebühren.

Laut eigenen Aussagen zahlen die Bürger El Salvadors jährlich ca. 400 Millionen US-Dollar an Gebühren bei Zahlungsdienstleistern wie zum Beispiel Moneygram oder Western Union.

Ausserdem verfügen nur etwa 30% der Salvadorianer über ein Bankkonto.

Deshalb wurde die gemeinnützigen Organisation Bitcoin Beach ins Leben gerufen. Sie möchte Bitcoin in Entwicklungsländern verbreiten und über die Vorteile der digitalen Währung aufklären. Dazu führt sie Informationsveranstaltungen und Workshops durch. Das Ziel von Bitcoin Beach ist es, Finanzdienstleistungen für die Bevölkerung in El Salvador zugänglicher und erschwinglicher zu machen und die Abhängigkeit von teuren Überweisungsdiensten wie Western Union zu verringern.

Die Organisation hat vor mehreren Jahren ein hohes Startkapital von einem anonymen Bitcoin Nutzer bekommen.

Auch der Gründer der Lightning-App ‚Strike‘, Jack Mallers, hatte bei der Adaption in El Salvador einen grossen Einfluss. Er verbrachte eine längere Zeit im Land, um die Bitcoin Adaption zu fördern und dem Land bei der Umsetzung des Gesetzesvorschlags zu helfen.

Schliesslich war es Jack Mallers, der bei der Bitcoin Konferenz in Miami im Jahr 2021 die Geschichte von Bitcoin in El Salvador erzählte, die in der Ankündigung des Präsidenten gipfelte, das Bitcoin Gesetz voranzutreiben.

Die Chivo App

Um den Gebrauch von Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel im Land zu erleichtern, liess die Regierung von El Salvador die mobile Chivo App entwickeln.

Die App ermöglicht es den Einwohnern von El Salvador Bitcoin zu senden, zu empfangen und zu speichern. Benutzer können ihr Guthaben verwalten und Transaktionen in Bitcoin durchführen. Die App bietet auch eine integrierte Wallet, mit der Benutzer die dezentrale Währung aufbewahren können.

Die Regierung von El Salvador hat die Chivo App mit dem Ziel eingeführt, finanzielle Inklusion zu fördern und den Zugang zu Finanzdienstleistungen für die Bevölkerung zu verbessern.

Die Nutzung der Chivo App ist optional. Das heisst, die Bürger haben die Möglichkeit, Bitcoin auch mit anderen Wallets und Dienstleistern zu verwenden.

Leider hat die staatliche App immer wieder Störungen und Probleme, bei denen Zahlungen nicht funktionieren oder der Zugang eingeschränkt ist. Auch gab es zu Beginn viele Berichte, dass Guthaben entwendet wurden, da die Chivo Wallet wohl unzählige Bugs aufwies.

Dies führte zu einer geringen Akzeptanz von Bitcoin im Alltag.

Die Menschen verstanden die Technologie nicht gut genug und hatten Angst, dass ihr Vermögen gestohlen wird oder sie ihr Geld verlieren.

Verständlich. Denn Aufklärung darüber, was Bitcoin wirklich ist, gab es nicht.

Für die Nutzung von Chivo gab es allerdings von der Regierung 30 US-Dollar als Guthaben in der App. Natürlich in Form von Bitcoin. Dies sorgte zu Beginn auf der einen Seite zu hohen Nutzerzahlen, auf der anderen Seite führte dies jedoch dazu, dass die Nutzer ihr Geld in US-Dollar umwandelten und die Nutzung danach abflachte.

Die Chivo App ist sicher einer der Gründe, weshalb die Bitcoin Adaption in El Salvador aktuell schleppend läuft.

Der grösste ist aber vermutlich die fehlende Aufklärung.

Der richtige Ansatz?

Auch wenn sich viele Bitcoiner über die Ankündigung der Einführung von Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel in El Salvador gefreut haben – Bitcoin ist im Herzen eine Bewegung die Bottom-Up (also von unten nach oben) funktioniert.

Das bedeutet, dass das Volk Bitcoin zuerst verstehen und akzeptieren muss, bevor die Regierung über die Nutzung bestimmt.

In vielen anderen Ländern kann man die Graswurzelbewegung aus dem Volk heraus gut beobachten. Dazu zählen sicher Länder wie die Türkei, Argentinien und Nigeria.

Bitcoin zu verstehen, ist alles andere als leicht. Das Gleiche gilt auch für seine Nutzung. Man wird sehen, welche Massnahmen die Regierung El Salvadors noch ergreift, um die Akzeptanz von Bitcoin zu stärken.

Wir von BitcoinReise sind uns aber sicher, dass es ohne Aufklärung nicht geht.

Fazit

Die Einführung von Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel in El Salvador ist ein Meilenstein der vergleichsweise jungen Geschichte.

Nur gut 10 Jahre nach seiner Entstehung hat Bitcoin so viel Vertrauen gewonnen, dass ein ganzer Staat ihn als freies Geld nutzen will. Dies ist sicher eine Entwicklung über die man sich als Bitcoiner freuen kann.

Die Umsetzung verlief jedoch nicht optimal.

Die staatliche App funktioniert nur unzuverlässig. Die Bevölkerung versteht die Technologie in grossen Teilen nicht ausreichend. Und es gab grossen Gegenwind von internationalen Finanzinstituten wie dem Internationalen Währungsfonds.

El Salvador hat auf eine gewisse Weise dennoch profitiert.

Trotz einer weltweiten Pandemie, ist der Tourismus in El Salvador um fast 100% im Vergleich zum Jahr 2019 gestiegen. Auf der ganzen Welt ist El Salvador bekannt als das Land, in dem man mit Bitcoin zahlen kann.

Das bringt auch viele Investoren ins Land.

El Salvador plant eine ‚Bitcoin City‘ in der spezielle Steuervergünstigungen für Investoren gelten sollen. Ausserdem gibt es Gespräche über eine Staatsanleihe, die mit Bitcoin gedeckt sein soll.

Wohin das Experiment aber zukünftig führt, steht noch in den Sternen.

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